Technik & Sicherheit
Kentern und Wet Exit: Sicher reagieren im Ernstfall

Kentern gehört zum Kajakfahren dazu und ist bei entsprechender Vorbereitung kein Grund zur Sorge. Dieser Ratgeber erklärt, wie unterschiedliche Kajak-Typen auf ein Kentern reagieren und wie man sich richtig verhält.
Kentern beim Sit-on-Top-Kajak
Bei einem Sit-on-Top-Kajak ist die Situation denkbar unkompliziert: Da kein geschlossenes Cockpit vorhanden ist, rutscht man beim Kentern einfach vom Boot. Der Wiedereinstieg gelingt meist ohne fremde Hilfe — von der Seite auf das Boot ziehen und in die Sitzposition zurückrollen. Für Einsteiger ist dies einer der Hauptgründe, warum dieser Kajak-Typ so beliebt ist.
Kentern beim geschlossenen Kajak: der Wet Exit
Bei geschlossenen Kajaks mit Spritzdecke ist die Situation anspruchsvoller. Hier kommt der Wet Exit zum Einsatz — der kontrollierte Notausstieg aus dem gekenterten Boot:
- Ruhig bleiben: Das Kajak treibt auch kopfüber, es besteht kein akuter Zeitdruck.
- Notgriff greifen: Den Griff der Spritzdecke fassen und sie vom Cockpitrand lösen.
- Nach vorn schieben: Mit einer Vorwärtsbewegung aus dem Boot gleiten.
- Seitlich auftauchen: Zur Wasseroberfläche schwimmen und das Boot festhalten.
Dieser Ablauf sollte vor der ersten Tour in ruhigem, überschaubarem Gewässer geübt werden — idealerweise unter Anleitung. Wer den Handgriff einmal bewusst trainiert hat, reagiert im Ernstfall deutlich gelassener.
Die Alternative: Eskimorolle
Fortgeschrittene Paddler, die häufiger in Wildwasser oder auf offenem Wasser unterwegs sind, trainieren oft die Eskimorolle — eine Technik, mit der das Kajak nach einem Kentern wieder aufgerichtet wird, ohne das Boot zu verlassen. Sie erfordert Übung und wird meist zunächst im Schwimmbad oder ruhigen Gewässer erlernt, erhöht danach aber die Sicherheit erheblich.
Vorbereitung ist der Schlüssel
Die beste Vorbereitung auf ein Kentern ist, es unter kontrollierten Bedingungen einmal bewusst herbeizuführen und zu üben — statt es zum ersten Mal in einer unerwarteten, stressigen Situation zu erleben. Eine passende Schwimmweste ist dabei selbstverständliche Grundvoraussetzung, ebenso wie angemessene Kleidung für die Wassertemperatur, etwa ein Neoprenanzug bei kühlem Wasser.
Nach dem Kentern: richtig weitermachen
Nach dem Wiedereinstieg lohnt sich ein kurzer Check: Ist die Ausrüstung noch vollständig, ist das Boot dicht, fühlt man sich körperlich in der Lage, weiterzufahren? Bei kaltem Wasser kann bereits ein kurzes Kentern spürbar auskühlen — in diesem Fall ist es sinnvoll, die Tour zu unterbrechen und sich aufzuwärmen, statt die Situation zu unterschätzen.
Häufige Fragen
Ist ein Kentern gefährlich? Bei richtiger Vorbereitung, passender Ausrüstung und geübtem Ablauf ist es in der Regel gut beherrschbar. Risiken entstehen vor allem durch fehlende Übung, ungeeignete Gewässer oder fehlende Schwimmweste.
Muss ich den Wet Exit vor jeder Tour üben? Einmal erlernt, bleibt der Ablauf meist präsent. Eine gelegentliche Auffrischung, besonders vor anspruchsvolleren Touren, schadet aber nicht.
Was mache ich, wenn ich allein unterwegs bin? Solo-Touren erfordern zusätzliche Vorsicht — ein sicherer Wiedereinstieg sollte vorher geübt sein, und es ist ratsam, die geplante Route jemandem mitzuteilen.
Fazit
Ein Kentern lässt sich mit der richtigen Vorbereitung ruhig und sicher bewältigen — ob mit dem unkomplizierten Ausstieg beim Sit-on-Top oder dem geübten Wet Exit im geschlossenen Kajak. Wer den Ablauf einmal bewusst trainiert hat, geht deutlich entspannter aufs Wasser.
Üben unter Anleitung
Viele Kanu-Vereine und Wassersportschulen bieten spezielle Sicherheitstrainings an, bei denen Kentern, Wet Exit und teilweise auch die Eskimorolle unter fachkundiger Aufsicht in geschütztem Umfeld geübt werden. Ein solches Training nimmt die Nervosität vor der ersten echten Situation und schafft Routine, die im Ernstfall automatisch abläuft.
Auch das gemeinsame Üben mit einem Partnerboot ist sinnvoll: Im Zweierteam lässt sich zusätzlich der Wiedereinstieg mit Unterstützung eines zweiten Bootes trainieren, was bei größeren Gruppen oder Vereinsfahrten oft die Regel ist.
